CD Review: Subway to Sally – „MitGift“

Es ist soweit! Rund zweieinhalb Jahre nach ihrem letzten Album trumpft das Potsdamer Septett Subway to Sally in diesem Frühjahr mit ihrem 12. Studio-Album auf. Nach Schwarz in Schwarz wurden Fragen laut, ob die Band an Finsternis noch zulegen kann und die neue Scheibe ist der beste Beweis dafür, dass sie es können. Mit Mitgift – Mördergeschichten macht der Hörer eine Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele, die sehr konsequent thematisiert wurden. Düstere Geschichten, die durch wahre Stories fünf verschiedener Jahrhunderte inspiriert sind, werden gewohnt Emotions- und Metaphern-schwanger von Geschichtenerzähler Eric Fish vorgetragen. Um dies möglichst genau und realistisch wiedergeben zu können, gingen die Potsdamer eine enge Zusammenarbeit mit Kriminalpsychologin Lydia Benecke ein, mit der sie die einzelnen Fälle wissenschaftlich aufbereiteten.

Eröffnet wird das Werk durch das hymnisch-mahnende Ad Mortem Festinamus – zu Deutsch: dem Tod entgegen eilen. Es handelt sich dabei um eine Art Warnung, die mit lateinischen Worten eindeutig dazu auffordert, sich gottesfürchtig und frei von Sünden zu verhalten.

Der düstere Titel Schwarze Seide ist dabei der Auftakt in die Abgründe der Menschlichkeit. Auch ohne überdeutliches Hinhören wird schnell klar, hier geht es um Nekrophilie. Ein trauernder Ehemann erträgt den Tod seiner geliebten Frau nicht und so holt er sie aus ihrem frischen Grab, um sein gewohntes Leben mit ihr weiter zu leben. Dazu zählt offenbar auch, sich an ihrem toten Körper zu vergehen. Weiter geht es mit dem schaurigen Für Immer, in dem mormide-romantisch ein Mord an einer jungen Frau, die Aufbewahrung ihrer Leiche, sowie deren Schändung thematisiert wird. Der wehmütige Song Grausame Schwester handelt von neidhaftem Schwester-Mord, der erst durch den Fund der Gebeine der toten Schwester aufgeklärt werden kann. Durch Lynch-Justiz fällt auch die zweite Schwester dem Tode zum Opfer. Das hymnisch-rockige Warte, Warte erzählt von einem padöphilen Mörder, der eine Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Durch die elegante Wortsprache wird der Täter hier als Werwolf dargestellt, der von Hunger und Lust getrieben aus seinem Versteckt kommt. Als Vorlage für Dein Kapitän diente die Natascha Kampusch Story – ein Mädchen wird entführt, gegen ihren Willen gefangen gehalten und misshandelt. Auch hier wird die Geschichte mittels aussagekräftigen Metaphern erzählt. Arme Ellen Schmitt ist ein eingängiger Song, der wieder einen Mord thematisiert. Die arme Ellen Schmitt wurde erst zwei Tage nach ihrer Ermordung aufgefunden. Einzig bei diesem Track wird die Moral direkt formuliert: „Und die Moral von der Geschicht, reist nie allein, verlauft euch nicht. Geht ihr mit fremden Männern mit, ergeht es euch wie der armen Ellen Schmitt„. In Kaltem Eisen ist ein etwas ruhigerer Titel, der sich mit der Verurteilung eines scheinbar Unschuldigen, angeklagt wegen Mord an seiner eigenen Frau, befasst.

Das instrumentale Stück Vela Dare!, welches die durchweg dunkle Stimmung zwischendurch etwas auflockert, kann quasi als Erholungsphase für die eigene Seele gesehen werden, bevor es mit dem bösen Haus Aus Schmerz weitergeht. Ein Folterhaus, einem Labyrinth gleich, mit vor Panik zerkratzen Böden, mit Geschrei getränkten Wänden, aus dem es kein Entrinnen gibt. Im Weidengarten – eine Ballade, die von einem sanften Gift-Mord, eher von Erlösung einer Totkranken handelt. Der Protagonist macht es seiner Liebsten noch einmal schön – bei einem Picknick am Strand mit Blumen, Wein und viel Liebe hilft er ihr dabei ihre Schmerzen endgültig loszuwerden. Den Abschluss des Werkes bildet Coda. Ein ruhiger Song, der den Hörer von der doch recht emotionalen Reise durch die menschliche Seele ins Land der Träume entlässt.

Dass Subway to Sally ihre Texte oft mit ungewöhnlicher Instrumentalisierung unterstreichen, ist bereits bekannt. Dies wird auch auf Mitgift deutlich. Die Mischung aus wummernden Bässen, harten Riffs, ausgefallenem Electronica-Sound und zarten Streichern macht den Charakter dieses Album-Arrangements aus. Melodie, Härte und Komposition erinnern zwar Hier und Da an Titel von vorangegangenen Alben wie Herzblut, Engelskrieger und Nord Nord Ost, sind aber dennoch völlig neuartig und anders. Die treibenden Beats laden den Zuhörer dazu ein, sich zu den tiefgängigen Texten zu bewegen. Auffällig ist, dass zwischen den Songs nicht wirklich eine Pause entsteht. Stattdessen sind die Übergänge geschickt komponiert, so dass der Eindruck entsteht wirklich auf einer Reise zu sein von der es kein Entkommen gibt.

Mitgift – Mördergeschichten ist anders, aber doch durch und durch Subway to Sally typisch. Es wird aber auch klar, dass die Vorreiter der deutschen Mittelalter, Folk Rock und Metal Szene noch lange nicht am Ende ihres kreativen Könnens angelangt sind und es bleibt abzuwarten, womit die „glorreichen Sieben“ in Zukunft noch zu Überraschen vermögen.

Tracklist: 01. Ad Mortem Festinamus
02. Schwarze Seide
03. Für Immer
04. Grausame Schwester
05. Warte, Warte
06. Dein Kapitän
07. Arme Ellen Schmitt
08. In Kaltem Eisen
09. Vela Dare!
10. Haus Aus Schmerz
11. Im Weidengarten
12. Coda
Release: 14. März 2014
Genre: Mittelalter Rock, Folk Metal
Label: STS Entertainment
Anspieltipp: Schwarze Seide, Grausame Schwester, Dein Kapitän
Order: www.amazon.de
Homepage: www.subwaytosally.com

 

Text: Steph Lensky

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