Insight: Eyes Shut Tight – „The Death Of Art“

„it´s the death of art,
it´s the death of your scene,
I´m the asshole,

king of broken dreams“ Eyes Shut Tight

Im Sommer 2016 veröffentlichten Eyes Shut Tight eine Neuauflage ihrer EP The Outlaws und legten den Song The Death Of Art dazu, welcher nicht nur in der Melodie düster und bedrückend wirkt, sondern auch mit dessen Lyrics ein düsteres und bedrückendes Bild über ein Phänomen in der Kunst- und Künstlerszene zeichnet, welches sich nach den Beobachtungen der Hamburger Combo geschwürartig langsam und allmählich auszubreiten scheint.
Nun gab es den Nachschlag mit dem dazu passenden Video, gestaltet von Zia Binder und Dirk Wieczorek. Anlass für uns nachzufragen, was sich denn da so getan hat seit unserem letzten Interview.

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Ginger: Vor ein paar Wochen ist das Musikvideo zu The Death Of Art erschienen. Wie waren die Reaktionen hierauf?

Dirk: Objektiv betrachtet gab es zwei Formen von Reaktionen:
Wir haben einige Nachrichten und auch Kommentare bekommen in denen uns geschrieben und auch gedankt wurde dafür so ein Statement zu bringen. Einige halten uns sogar für mutig, andere schrieben einfach nur „Hammer Song“.
Und „The Death of Art“ wurde im Zuge der DAC (Deutsche-Alternative-Charts) zu Beginn des Jahres als Single-Tipp vorgestellt. Hinter Nine Inch Nails – „Not The Actual Events“ EP und The xx – „Say something loving“, was uns natürlich sehr freut!
Die zweite Form von Feedback ist für uns die interessantere: Gar keine Reaktion – betrachtet man im Vergleich unsere anderen Videos. Ich denke, wir haben da etwas zum Ausdruck gebracht, was viele verunsichert. Sie wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen. Möchte man das Thema am liebsten totschweigen, fühlt sich ertappt oder wartet man darauf, wer den ersten Stein wirft?

Ginger: Bei D.O.A. handelt es sich um einen Zusammenschluss mehrere Künstler. Wer ist noch mit dabei?

Dirk: JP Genkel war wieder unser Produzent für diesen Song. Ich kenne keinen, der uns so gut versteht wie er und es immer wieder versteht einen neuen Sound für ein Thema mit aufzubauen. In unserem Video haben viele verschiedene Künstler mitgewirkt.
Es gab auch noch einige Musiker, die sich daran beteiligen wollten. Allerdings haben wir dann von vielen kurz vor dem Dreh gehört: „Wir denken, wir können doch nicht mitmachen. Wir finden ihr habt in eurer Aussage recht, aber wir befürchten, man könnte uns das negativ auslegen.“ – „Für euch würden wir, aber…“ – „Darf man das tatsächlich so öffentlich sagen?“ etc.
Wir haben allen geantwortet, dass es nicht „für uns“ ist, sondern wir ja mit vielen auf ein Thema aufmerksam machen wollen: Die einhergehende Klatschparade und Oberflächlichkeit, die momentan verkauft wird. Schon lange bekannt durch einige „Pop“-Künstler, die aber jetzt auch in vielen alternativen Szenen ein Zuhause gefunden hat.

Das fanden wir natürlich schade. Wenn Künstler schon selber Angst davor haben, dass in der heutigen Zeit Kunst auch mal wieder kontrovers sein darf oder natürlich Konsequenzen mit sich bringt. So fühlten wir uns umso mehr bestätigt dieses Video zu veröffentlichen

Ginger: Ihr habt den Song ja auf einer limitierten EP gepresst, die ausschließlich auf eurer vorangegangen Tour zu erhalten war. Werdet ihr diesen auch auf ein kommendes Album bringen?

Dirk: Wir werden „The Death of Art“ im Rahmen einer neuen LP raus bringen.
Der Song ist eigentlich nur der Anfang eines geplanten Albums. Wann dieses aber erscheinen wird, wissen wir noch nicht. Wir sind schließlich Künstler und keine Maschinen, die am laufenden Band Alben produzieren. Soviel sei aber gesagt: mit „Banished From Paradise“ haben wir uns an die eigene Nase gefasst, nun folgt der Zeigefinger.

Ginger: Apropos eure vorangegangen Tour: Ihr wart ja gemeinsam mit Florian Grey unterwegs und sehr bald werdet ihr wieder mit ihm die Bühne teilen. Ihr kriegt wohl nicht genug voneinander. 🙂 Kam euch die Idee bei der gemeinsamen „Banished And Gone“-Tour im letzten Herbst?

Dirk: Wir haben auch Privat alle viel Kontakt zueinander. Das wir wieder was zusammen machen, war eigentlich unser Fazit der Tour. Es macht Spaß andere Künstler um sich zu haben, die auch mit Herz und Seele auf der Bühne stehen. Es macht Spaß Flo und Band dabei zuzusehen und freuen uns auch auf die Jungs von Hell Boulevard. Es ist einfach eine tolle Atmosphäre, in der sich jeder wohl fühlt und sein Künstler „ich“ ausleben kann. Warum sollte man da nicht öfters was miteinander machen?

Ginger: Wie kam die Auswahl der Locations zustanden?

Dirk: Da ich die Idee hatte, nach jeder Show eine Aftershow Party zu machen (wo wir dann auch auflegen werden), war klar Rene von der Return of the Living Dead zu fragen, wo ich selber Resident DJ bin.
Matteo wurde vom Club CANN eingeladen und das Konzept des Abends war auch da gleich zu 100% gegeben. Sprich die Auswahl war einfach: Wir mögen die Return. Wir mögen den Club CANN. Es passt alles.

Ginger: Und was sind noch deine Pläne für dieses Jahr?

Dirk: Ich habe eine Kooperation mit einer Sängerin und JP. Dazu bald mehr Infos.
Und wir werden weiter am neuen Material arbeiten und schauen, noch ein paar Shows in Deutschland zu spielen. Da wir, wie uns gesagt wurde, für die Festivals in Deutschland uninteressant seien, haben wir aber tatsächlich ein paar Anfragen aus dem Ausland. Diese müssen wir allerdings natürlich prüfen, in wie weit diese realisierbar sind.

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Da es wohl nicht so aussieht, dass man Eyes Shut Tight in naher Zukunft auf einer Festivalbühne in Deutschland erleben darf, möchten wir euch umso mehr einen Besuch der A Night In Hell – Konzertreihe ans Herz legen. Alle Infos hierzu erhaltet ihr auf der Facebookseite www.facebook.com/anightinhell.

 

Text + Interview: Ginger Chan

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