Insight: Megaherz im Interview

Am Freitag den 23.03.2018 rockten Schattenmann und Megaherz die Turbinenhalle in Oberhausen (unser Review zum Abend gibt es hier). Doch zuvor durfte Redakteurin Angy beide Bands zum Interview treffen.

Den Anfang machten Megaherz. Hier standen die beiden Gitarrengötter Christian „X-ti“ Bystron und Christoph „Chris“ Klinke unseren bohrenden Fragen Rede und Antwort.

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Angy: Zuerst einmal ein „megaherzliches“ Dankeschön für die Audienz bei euch. Ihr seid mit eurer neuen Platte KOM3T auf Platz 7 der Deutschen Album Charts gelandet und dies hielt sich auch so über längere Zeit. Was ist das für ein Gefühl? War damit zu rechnen und was hattet ihr euch erwartet von KOM3T?

X-ti: Jede neue Platte ist natürlich ein Baby was ins Land geschickt wird und erst mal ist es so, dass es schwierig ist, das Ding loszulassen. Also zu sagen: Es ist fertig, es geht jetzt raus und dann zu hoffen, dass es die Leute genauso mögen wie wir selbst.

Angy: Wie würdet ihr eure Identität / euren Stil beschreiben bzw. Megaherz selbst definieren und inwiefern drückt das KOM3T aus? Und hatten die Kritiken damals und heute etwas mit Intoleranz und Genre-Schubladen-Denken zu tun? Was ist Metal, Gothic & Co heutzutage?

X-ti: *schmunzelt* Das sind jetzt aber viele Fragen in einer.

Angy: Beschreibt zuerst einmal euch selbst.

X-ti: Wir denken da gar nicht dran. Wenn du im Studio sitzt… wir machen das, was uns gerade einfällt an Songs und was gerade so kommt. Wir denken nicht darüber nach „was“ der Gothic-Szene jetzt gefallen könnte. Du bist halt da und spielst so wie du bist und das landet dann zufälligerweise in dieser Szene. Das ist harte, melancholische Musik und dann… ehhmm… ja keine Ahnung, es ist tatsächlich nicht beabsichtigt, es passiert halt so.

Chris: Mich wundert es zum Teil ja eh, dass wir in diese Gothic-Szene reinrutschen. Ich meine, wir machen ja wirklich kein „Gothic“. Aber wenn‘s den Leuten so gefällt. 🙂

X-ti: Es ist wahrscheinlich das Grundflair, was die Leute anspricht. Der eine Song ist fröhlicher und der andere dann wieder mehr metal-lastig und wenn dies die Leute anspricht, dann ist das doch super. Besser geht es ja gar nicht.

Angy: Also seht ihr eure Musik im ständigen Wandel, die auch Genre übergreifend ist?

Chris & X-ti: Auf jeden Fall!

X-ti: Es wäre ja total langweilig, wenn du 10x den gleichen Song machen würdest. Allein beim Komponieren schon. Du hast gerade so einen Heavy-Song fertig, dann ist es beim nächsten recht wahrscheinlich, das der nächste keiner ist, weil dann hast du erst mal dein Pulver in diese Richtung verschossen. Und das ist es als Herausforderung wichtig, dass man auf einen neuen „Spielplatz“ geht – neue Klänge, neue Stimmungen, neues „irgendwas“. Und dann kommt vielleicht so was raus wie Heldengrab, wo keine Gitarren drin sind, was uns aber nicht stört. Also man versucht es auch für sich selber interessant zu halten, durch Abwechslung natürlich.

Angy: Dann gehen wir mal auf Interpretationen ein. In Scherben Bringen Glück erzählt ihr davon, wie der Kopf / das Hirn vom Herzen außer Gefecht gesetzt wird. Der Text an sich lässt sich auf eine emotionale und am Ende doch kaputt gegangene Beziehung interpretieren. Aber auch auf einen Wunsch, der unglücklicherweise zerbrach und mit ihm wir selbst auch. Wo habt ihr so was schon mal erlebt, wo die Scherben des Alten euer Grundstein für ein neues Glück, einen neuen Traum waren?

Chris und X-ti: *schmunzeln* Alles klar!Chris: Wir hätten uns die Fragen vorher durchschauen sollen. ;D

X-ti: Es ist einfach ein Song, der Hoffnung machen soll. Wenn mal was in die Brüche geht, und das war bei Megaherz ja auch mal so, wenn wir das mal komplett aus dem Zusammenhang rausreißen… wir hatten ja zwei Mal komplett total Havarien mit zwei Mal Sänger-Wechsel und das ist das schlimmste, was es gibt in einer Band, wenn die „Galionsfigur“ auf einmal verschwindet. Aber diese Scherben haben uns tatsächlich wirklich Glück gebracht. Die Band steht jetzt so gut da, wie noch nie zuvor. Wir haben einfach immer weiter gemacht. Immer versucht gute Musik zu schreiben, auch für uns selber und nicht nur weil wir irgendwas erreichen wollen. Wir sind Musiker und haben da Bock drauf. Und jetzt stehen wir heute da… haben knapp 850 VVK Tickets in Oberhausen unter die Leute gebracht und dies ist uns schon so eine kleine Belohnung für’s Durchhalten.

Angy: Kann man sagen, dass ihr in Horrorclown all jene Menschen ansprecht, die sich von erbärmlichen Scharfmachern ihre jetzigen Gedanken einpflanzen haben lassen wie „die Angst vorm Unbekannten“? Was denkt ihr ist in unserer Gesellschaft schief gelaufen, bis das passieren musste, wovon ihr in Horrorclown singt und musiziert? Was wären Lösungen?

X-ti: Ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, wo wir 2 Generationen später gefragt werden „Habt ihr das nicht kommen sehen?“. Also was so in letzter Zeit an neuen Strömungen und Kräften an die Macht ploppt… wenn man mir vor 2 Jahren erzählt hätte, das es einen Brexit gibt oder das so ein Wut-Clown wie Trump an die Macht kommt, dann hätte ich gelacht. Und jetzt ist es Realität, es ist wirklich schlimm. Und die ganze Rechtskacke, die gerade so hoch ploppt. Das funktioniert ja immer gleich, wenn wir mal auf die Geschichte zurückblicken. Dass die in bestimmten Bevölkerungsschichten bzw. bei bestimmten Leuten, die sich benachteiligt fühlen, Angst schüren und eigentlich ohne großartige Lösungsansätze geht es dann letzten Endes darum „so geht es nicht“ und mit so einem Mittel fangen sie dann die Leute. Wenn da nicht jemand drauf hinweisen darf, wie Musiker oder Künstler im Allgemeinen, dann wer sonst?

Angy: Seht ihr das als Lösung bzw. Angehensweise es so zu bekämpfen?

X-ti: Dahinter zu schauen. Einfach zu gucken, was bieten die an? Bieten die eigentlich überhaupt was an? So beginnt es ja schon und dann abzuwägen, ob dies dann in der Gesamtsituation auch wirklich weiterhilft. Und ich glaube, dass man dann relativ schnell eine Antwort finden kann.

Angy: Nun zu Heldengrab. Auch ein weiterer Track, der dem Motto „ein Tritt in Richtung Ärsche der Gesellschaft“ folgt. Oder doch nur die Offenbarung, wie sich gerade das Hier und Jetzt zuträgt? Er spricht von Oberflächlichkeit, Feigheit und dem unerreichbaren Perfektionismus, nach dem die Mehrheit der Menschen strebt. Vom quasi einzigartigen Individuum zum hirnlosen und nicht mehr eigenständig denkenden Mainstreamer, der nach „höher“, „schneller“ und „weiter“ neue Maßstäbe für Werte „Richtig und Falsch“ als Status setzt. Wo bemerkt ihr diesen Wandel und wer meint ihr trägt Schuld daran, dass es keine revolutionären Helden mehr gibt?

X-ti: Diese Fragen sind rhetorisch deutlich besser als unsere Antworten. *Gelächter der beiden*

Chris: Also bei Heldengrab ist es ja ähnlich wie bei Horrorclown. Es geht auch eben darum – also vom Standpunkt der Person selber aus -, dass man nicht nur schaut, was gerade los ist, sondern dafür auch einsteht und sich da eigentlich als Person aktiv dagegen wehrt.

X-ti: Joah… genau das ist Heldengrab!

Angy: Wenn ihr euch einen Song vom Album heraus picken müsstet, welcher wäre eurer Lieblingssong und warum?

Chris: Tiefenrausch… Der macht einfach am meisten Spaß zum Spielen. Der darf auf gar keinem Fall im Set fehlen. 😉

X-ti: Ja, Tiefenrausch ist auch ganz cool. Es ist ganz schwierig sich damit auseinanderzusetzen. Wenn du von mir einen Anspieltipp verlangen würdest, dann Vorhang Auf, tatsächlich KOM3T, Von Oben – also die drei Singles eigentlich.

Angy: Nach dem letzten Album ist ja bekanntlicher Weise vor dem nächsten Album. Was ist für dieses Jahr noch geplant (Album schreiben, Festivals/Konzerte, Planung der nächsten Tour etc.)? Gibt es da etwas, was wir von Passion & Promotion exklusiv erfahren dürfen?

X-ti: So… heheh, jetzt kommt die Prag-Geschichte… Wir sind natürlich auf einigen Festivals wie dem Summer Breeze, With Full Force und Plage Noire… und dann sind wir von einem Symphonie-Orchester angefragt worden, ob wir eine Stunde mit denen spielen wollen. Und das ist halt richtig fett. Das ist eine riesen Veranstaltung in Prag. Es ist für mich als Komponist vor allem sehr geil mit einem Orchester die Songs ein bisschen umzuarrangieren. Ich hoffe, dass da ein reger Austausch stattfindet und mal schauen wie das wird. Das ist auf jeden Fall eine einzigartige Erfahrung. Das alles geschieht auf der PragueCon, das ist eine Computerspielmesse.

Angy: Bevor ich euch am Ende noch drei Quickies stelle, hier noch eine letzte Frage: Wie ist es gerade mit AnnA Lux und Schattenmann auf Tour zu sein? Woher kennt ihr die beiden Bands und seid ihr zufrreden mit der Auswahl eures Supports?

Chris: AnnA Lux ist diesen Tourblock ja leider nicht mit dabei, sonst schon.

X-ti: AnnA Lux, das ist ja der Schlagzeuger zeitgleich Mitglied von Stoneman und das sind einfach super liebe Freunde und Bekannte – total umgänglich und keine gestressten Leute. Und Schattenmann war einfach, also sie sind uns aufgefallen, weil die Musik gut ist. Und wir finden die Kombi eigentlich ganz gut so. Normalerweise ist es so, dass AnnA Lux beginnt und das ist ja noch nicht so heavy, das ist eher so Dark-Pop würde ich mal sagen. Dann wird die Schraube so ein bisschen angezogen mit Schattenmann, die dann einem echt geil aufs Maul hauen eigentlich. Und dann wir zum Schluss. Ist eine echt coole Kombi. Wir wollten jetzt nicht zwei „Prügler“-Bands, wo die Leute nach ihnen schon am Ende sind…

Chris: … wir könnten ja auch mal als Zweites spielen, dann kämen wir nicht immer so spät ins Bett. *beide lachen*

Angy: GTA 5 oder Call Of Duty?

Chris: GTA.

X-ti: Ich bin kein Zocker.

Angy: Arielle die kleine Meerjungfrau oder 101 Dalmatiner?

Chris: *schmunzelt* – X-ti: Ich bin kein Dog-Guy. Ich stehe auf Katzen. Also insofern die Dalmatiner nicht. Fische. Genau! Die bringt mein Kater andauernd mit. Und ohne Schmarn, der hat die Kois geholt. Und Gott sei Dank kennen wir die Besitzer und die kamen dann total traurig an und sagten so ‚Naja die waren schon alt, ist dann auch nicht mehr so tragisch‘. Liegt da also tatsächlich so ein Koi auf unserer Terrasse! – Chris: Den hast du bestimmt dann wieder da rein geschmissen. *lacht*

Angy: Urlaub in Neuseeland oder auf Mallorca?

Chris: Auf jeden Fall Neuseeland. Wir brauchen ja auch ein bisschen Ruhe. Die ganze Zeit hier Halli Galli, dann ist Ruhe wahrscheinlich das Präferierte.

X-ti: Am allerliebsten Thailand. Ein absolutes Hammerland! Da darfst du dann natürlich nicht in den Touristenhochburgen sein. Da machste am Besten einen Bogen drum rum. Aber ansonsten ist Thailand ein Traum.

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Passion & Promotion bedankt sich im Namen von Angy an dieser Stelle bei Chris und X-ti von Megaherz für die amüsante Zeit beim Interview. Bis auf ein nächstes Mal! 🙂
 

Text + Interview: Angy Bark
Photos: Ines Dragon (Ines Dragon – Konzertfotografie & more)

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